Erfahrungen im Dualen Studium bei der Polizei Niedersachsen.

Von Ann-Christin Clausnitzer,

Wie lief der Auswahlprozess für das Duale Studium ab? Wie kann man sich den Arbeitsalltag bei der Polizei Niedersachsen vorstellen? Und was verdient man eigentlich als Dual Studierender dort? All diese Fragen hat uns Torben beantwortet und viele Insider-Einblicke gegeben.


Hallo Torben, wie lief der Auswahlprozess für dein Duales Studium bei der Polizei ab?

Im ersten Teil des Auswahlverfahrens musste ich einen mehrstündigen Computertest absolvieren. Abgefragt wurden unter anderem Merkfähigkeit, Logik, Deutschkenntnisse und Organisationsfähigkeit. Im Anschluss an den Computertest ging es dann am Nachmittag zum 5-km-Lauftest. Einen Monat später folgte dann das Auswahlgespräch vor der Auswahlkommission.

Meine Zusage erhielt ich zwei Wochen später. Danach folgte noch ein Termin beim Medizinischen Dienst der Polizei. Insgesamt dauerte das Auswahlverfahren drei Tage, verteilt über einen Zeitraum von ca. vier Monaten.

Für die meisten Studierenden geht es nach dem Studium in den Einsatz- und Streifendienst oder in die Bereitschaftspolizei. Anschließend ist alles möglich, und das ist es, was den Beruf – unter anderem – ausmacht und mir so gut gefällt.
Torben, Dual Studierender, Polizei Niedersachsen

Wie sieht dein Arbeitsalltag bei der Polizei Niedersachsen aus?

Ich bin nun im letzten Studienjahr an der Akademie. Dort haben wir einen guten Wechsel zwischen Theorie, zum Beispiel Kriminalistik oder Strafrecht, und den Praxistrainings. Bei den Praxistrainings thematisieren wir beispielsweise das Betreten und Durchsuchen von Wohnungen und Häusern oder im ersten Studienjahr das Durchführen einer Verkehrskontrolle oder auch die Aufnahme eines Verkehrsunfalls. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, uns als Studierende zum Beispiel in der Studierendenvertretung einzubringen, mitzubestimmen und Verantwortung zu übernehmen.

Im Rahmen des Studiums absolviert man zwei Praktika, welche beide jeweils drei Monate dauern. Anfang des Jahres war ich bereits im Einsatz- und Streifendienst in Cuxhaven tätig. Im Streifendienst hat man das erste Mal Kontakt zu den Bürger_innen* und trifft seine Maßnahmen. Dabei ist man jedoch nicht allein, da man stets in Begleitung eines Anleiters unterwegs ist und gemeinsam polizeiliche Aufgaben wahrnimmt.

Zusammen arbeitet man unter anderem die Notrufe ab. Da kann dann alles dabei sein – vom kleineren Verkehrsunfall bis hin zum bewaffneten Raubüberfall mit anschließender Flucht des Täters. Aber auch die Anrufe, die auf der Dienststelle eingehen, werden abgearbeitet. Außerdem fahren wir Streife oder machen Verkehrskontrollen.

Bis vor wenigen Wochen war ich noch in meinem Ermittlungspraktikum im Zentralen Kriminaldienst, ebenfalls in Cuxhaven, tätig. Dort wurde ich insbesondere im Bereich Cybercrime im dritten Fachkommissariat eingesetzt. Hier habe ich Fälle erhalten, die ich von der anfänglichen Strafanzeige über die Ermittlungen bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft bearbeitet habe. Besonders spannend sind hierbei Durchsuchungen bei Beschuldigten oder auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, wie unserem Landeskriminalamt oder dem Bundeskriminalamt. Beide Praktika haben mir sehr gut gefallen.


Dein Einstieg bei Polizei Niedersachsen.


Wie wirst du als Dual Studierender unterstützt? An wen wendest du dich bei Problemen?

Bei Fragen oder auch Problemen können wir uns jederzeit an unseren Studiengruppenleiter wenden – das ist in etwa so wie ein Klassenlehrer in der Schule. Wenn wir fachbezogene Fragen haben, können wir aber auch unseren jeweiligen Dozenten ansprechen. Der Umgang miteinander ist recht offen und die Kommunikation unkompliziert. Durch die kleinen Studiengruppen erhält man außerdem regelmäßig direktes Feedback zu den eigenen Leistungen.

Wie zufrieden bist du mit deinem Gehalt? Gibt es zusätzliche Benefits?

Bezahlt werden wir nach der Besoldungstabelle des Landes. Dies sind im ersten Jahr ca. 1200 Euro brutto, im zweiten Jahr 1300 Euro und im dritten Jahr 1400 Euro. In den Praktika gibt es Zuschläge für den Dienst in der Nacht oder an Feiertagen.

Ich finde, das ist richtig gutes Geld. Nachdem ich Miete und ähnliches bezahlt habe, bleibt immer noch Geld über. Damit kann man sich natürlich auch mal etwas gönnen, mal Feiern gehen oder auch nur mal Essen bestellen.

Wie sieht es mit deiner Work-Life-Balance aus?

Während der Praktika hat man ungefähr eine 40-Stunden-Woche. Der Schichtdienst im Einsatz- und Streifendienst ist sicherlich eine kleine Herausforderung zu Beginn, aber gerade das Arbeiten in der Nacht hat mir besonders viel Spaß gemacht. Im Durchschnitt hat man in einer Woche mindestens zwei Tage frei. Das kann mal am Wochenende oder auch mal unter der Woche sein.

Meine Freizeit zwischen den Diensten habe ich dann beispielsweise für Sport genutzt oder auch einfach mal zum Entspannen. Dazu kommt, dass wir Tage im Monat hatten, die wir uns blocken konnten. Das sind dann vier Tage, an denen ich frei hatte und auch nicht eingeplant wurde, wenn spontan ein Kollege krank sein sollte. So kann man tatsächlich einen Ausflug über mehrere Tage planen oder sich einfach nur nach Feierabend mit Freunden treffen.

Auch wenn wir an der Akademie sind, kommen wir sehr gut mit den Stunden hin. So bleibt am Nachmittag, am Abend oder natürlich auch am Wochenende genug Zeit für Freizeit. Ansonsten haben wir im Jahr 30 Urlaubstage, sodass ich zum Beispiel im Sommer auch für ein paar Wochen in den Urlaub fahren kann.

Wie stehen deine Übernahmechancen nach deinem Dualen Studium bei der Polizei Niedersachsen?

Wenn ich meine Prüfungen bestanden habe, ist die Übernahme nach den drei Studienjahren garantiert. Für die meisten Studierenden geht es dann nach dem Studium in den Einsatz- und Streifendienst oder in die Bereitschaftspolizei. Anschließend ist alles möglich, und das ist es, was den Beruf – unter anderem – ausmacht und mir so gut gefällt.

Welche Karriereziele hast du?

Zunächst möchte ich in den Einsatz- und Streifendienst, um dort Erfahrungen zu sammeln. Langfristig kann ich mir vorstellen, als Ermittler im Zentralen Kriminaldienst tätig zu werden.

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