Gehaltsvorstellung für die Ausbildung
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Gehaltsvorstellung für die Ausbildung

Gehaltsvorstellung: Souveräner Umgang mit der Verdienstfrage

Gehaltsvorstellung: Souveräner Umgang mit der Verdienstfrage

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung ist gefürchtet im Bewerbungsprozess, egal, ob es um eine Ausbildung, ein Trainee-Programm oder eine Festanstellung geht. Warum das so ist? Zum einen ist es dir wahrscheinlich unangenehm, etwas zu fordern, bevor du dich im Job überhaupt ausprobiert hast, und zweitens weißt du vielleicht gar nicht so richtig, wie viel Gehalt üblich ist. Das Praktische: Im Ausbildungs-Bereich sind viele Gehälter allgemein festgelegt, insofern wird die Frage nicht immer gestellt. Dennoch ist es wichtig, dass du darauf gefasst bist und eine selbstbewusste, aber nicht selbstüberschätzende Antwort parat hast. Es schadet also in keinem Fall, dich vorher zu informieren, was du ungefähr verdienen wirst. Schließlich willst du dich auch nicht unter Wert verkaufen und kannst so schonmal planen, wie viel du im Monat übrig hast.

Warum werde ich nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt?

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung steht entweder schon in der Stellenausschreibung oder du bekommst sie im Gespräch gestellt. Warum? Aus drei einfachen Gründen: Erstens um zu checken, wie der Bewerber sich und seinen Marktwert selber einschätzt, zweitens um seinen Umgang mit der Frage zu bewerten und drittens um zu wissen, was er mindestens verdienen möchte, das heißt, um die Motivation im Arbeitsalltag zu stabilisieren.

Für dich ist das eine Chance, auf dein Gehalt Einfluss zu nehmen und es macht zudem einen guten Eindruck, wenn du im Gespräch informiert antwortest anstatt betreten an die Decke zu schauen. Auch im Bewerbungsschreiben solltes du die Frage nicht einfach ignorieren, denn daraus schließt dein künftiger Arbeitgeber entweder, dass du sie bewusst umgehst, oder, dass du einfach vergisst, darauf zu antworten. Beides gibt Minuspunkte!

Was kann ich verlangen?

Was kann ich verlangen?

Leider lässt sich nicht pauschal sagen, wie viel du in der Ausbildung verdienen wirst, denn die Firmen haben verschiedene Möglichkeiten, mit der Gehaltsfrage umzugehen. Hat dein Wunscharbeitgeber einen Tarifvertrag abgeschlossen, ist es recht einfach, den Gehaltsrahmen herauszufinden. Denn dann hält er sich an bestimmte Tarifvereinbarungen, die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften zusammen beschlossen haben. In dem Fall wird meistens schon in der Stellenausschreibung für die Ausbildung darauf hingewiesen, dass du „eine tarifgebundene Ausbildungsvergütung“ erhälst. Als Gehaltsvorstellung kannst du deswegen angeben, was im Tarifvertrag steht. Für eine Einsicht in den Tarifvertrag deines Unternehmens kannst du entweder beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales oder beim Arbeitsgericht anfragen.

Unterliegen Unternehmen nicht diesem Tarifvertrag – dies kann aufgrund der Branche, aber auch aufgrund individueller Entscheidungen der Fall sein – ist die Lage schwieriger: Eine "angemessene Vergütung" ist zu zahlen, aber was soll das schon heißen? Zwar gibt es manchmal eine Untergrenze oder die Firmen richten sich zumindest grob nach dem im Tarifvertrag festgelegten Betrag, aber das ist, ohne direkt zu fragen, schwer herauszufinden. Dennoch kannst du dich daran orientieren, wenn du deine Gehaltsvorstellung festlegst. Gesetzlich ist die Lage so, dass du nicht weniger als 80% dessen, was im Tarifvertrag festgelegt ist, in derselben Branche verdienen darfst.

Gibt es keinen Tarifvertrag für die Branche, in der du durchstarten willst, werden in der Regel Richtwerte angegeben, die du recherchieren kannst. Auf AZUBI.DE findest du zu allen Ausbildungsberufen Angaben zum durchschnittlichen Gehalt, sofern es Gehalt gibt und Richtwerte vorhanden sind.

Der Rahmen ist abgesteckt – was sage ich konkret?

Der Rahmen ist abgesteckt – was sage ich konkret?

Auf AZUBI.DE siehst du, dass du zum Beispiel bei der Ausbildung zum/r Kaufmann/frau für Groß- und Außenhandel monatlich durchschnittlich 808 Euro verdienst. Du musst beachten, dass die 808 Euro sich aus dem Durchschnitt für drei Jahre bilden, das heißt, du steigst mit weniger ein und es steigert sich dann jährlich. Doch was sollst du nun konkret verlangen?

Ein gesundes Mittelmaß ist hier angebracht: Du solltest dich weder über- noch unterschätzen. Verlangst du bei 800 Euro Durchschnittsgehalt nur 500 Euro, fragt sich der Personaler, ob du dir selber gar nichts zutraust. Verlangst du 2000 Euro, wirkt das maßlos. Grundsätzlich ist es aber besser, ein bisschen mehr zu verlangen, als man im Endeffekt vermutlich bekommen wird. Im Gespräch kannst du zum Beispiel mit dieser Information im Hinterkopf sagen, dass deine Gehaltsvorstellung für die Ausbildung zum/r Kaufmann/frau für Groß- und Außenhandel bei 850 bis 900 Euro liegt. Damit zeigst du zum einen Selbstbewusstsein, zum anderen sicherst du dich ab, falls mit dem Zielgehalt deutlich runtergegangen wird.

Was muss ich sonst noch beachten?

Brutto vs. Netto

Das, was du in der Gehaltsvorstellung angibst oder was im Tarifvertrag steht, ist nicht das, was im Endeffekt auf deinem Kontoauszug erscheinen wird. Denn von deinem Bruttogehalt werden noch Steuern und Versicherung abgezogen. Du gibst deinen Gehaltswunsch also in brutto an und kannst dir mit Hilfe eines Brutto-Netto-Rechner ausrechnen lassen, wie viel du netto dann tatsächlich bekommst. Außerdem gibt es in manchen Unternehmen Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld als Bonus. Wenn dein Arbeitgeber auch für Kost und Logis sorgt, wird manchmal ein kleiner Teil des Gehalts dafür abgezogen. Du siehst – du kommst nicht drum herum, solche Geldangelegenheiten mit deinem künftigen Arbeitgeber zu besprechen.

Regionale und branchenbedingte Unterschiede

Wenn es um das Gehalt geht, können sich, je nachdem, wo du deine Ausbildung startest, ortsbedingte Unterschiede ergeben. Auch wenn der Unterschied mittlerweile nicht mehr so groß ist, macht es dennoch etwas aus, ob du im Westen oder im Osten anfängst. Außerdem verdienst du in der Regel in der Großstadt in einem größeren Unternehmen mehr als im Kleinbetrieb auf dem Dorf. Dennoch musst du hier auch beachten, dass die Lebensunterhaltskosten in großen Städten oftmals höher liegen als in ländlicheren Gegenden. Branchenbedingt hast du in der Industrie, im öffentlichen Dienst und im Handel bessere Verdienstchancen als zum Beispiel als Florist, Friseur oder Maler.

Ausbildungen ohne Gehalt

Wie – Ausbildungen ohne Gehalt? Heißt das, du verdienst gar nichts? Das heißt es tatsächlich und ist oft bei rein schulischen Ausbildungen der Fall, wenn du nicht parallel zur Theorie im Betrieb ausgebildet wirst, sondern „nur“ in der Berufsschule bist. Hier ist es auch üblich, dass du oftmals zahlen musst, um zum Beispiel zu Prüfungen zugelassen zu werden. Die schulische Ausbildungen dauern jedoch meistens nicht so lang wie klassische duale Ausbildungen, beispielsweise kannst du eine Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger/in oder zum/zur Amtlichen Fachassistenten/in in einem Jahr bzw. neun Monaten absolvieren. Für eine Ausbildung zum/zur Desiger/in musst du aber zum Beispiel dennoch drei Jahre Schule einplanen.

Mache dir vorher einen guten Plan, wie du diese Zeit finanzieren willst, recherchiere, was du nach deinem Abschluss bekommst und informiere dich über Finanzierungsmöglichkeiten wie die Berufsausbildungsbeihilfe oder BAföG.

...und wenn ich nicht gefragt werde?

Du bist bestens vorbereitet auf die Frage – und sie kommt einfach nicht? Dann kannst du die Gehaltsfrage auch selber ansprechen. In jedem Gespräch sollte irgendwann der Teil kommen, in dem du selber Fragen stellen kannst. Das ist unbedingt erwünscht, denn du zeigst damit, dass du dich auch wirklich für die Ausbildung interessierst. Wichtig ist aber, dass du nicht direkt als erstes nach dem Gehalt fragst. Erkundige dich lieber danach, wie die Arbeit im Team aussieht, wie Feedback gegeben wird oder wie die Einarbeitung am Anfang erfolgt. Danach ist es aber absolut legitim, die Konditionen anzusprechen; dazu gehören auch Arbeitszeiten oder Urlaubstage.

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