Mit dem „falschen“ Abschluss zur richtigen Ausbildung: So geht’s!
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Mit dem „falschen“ Abschluss zur richtigen Ausbildung: So geht’s!

1. Das Recht ist auf deiner Seite!

Natürlich kann jeder Ausbildungsbetrieb seine eigenen Kriterien festlegen – aber gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss für einen Ausbildung vorgeschrieben. Das heißt: Wenn du bei 20 Betrieben gelesen hast, dass ein Abitur Voraussetzung ist, kann es trotzdem sein, dass der 21. Betrieb auch mit Realschulabschluss einstellt. Und selbst wenn nicht: Eine gute Bewerbung in Kombination mit großer Motivation überzeugt mehr als jeder Abschluss!

2. Bewerben schadet nichts!

Was hast du zu verlieren, wenn du dich bewirbst? Richtig: Nichts! Deswegen einfach mal probieren. Manche sehen es streng und werden deine Bewerbung nicht berücksichtigen, aber andere legen wiederum mehr Wert auf einen persönlichen Eindruck, wenn deine Bewerbung sie neugierig gemacht hat. Außerdem: Du weißt nie, was die Konkurrenz mitbringt – wenn sich in einem Betrieb keine geeigneten Kandidaten mit dem geforderten Schulabschluss bewerben, kannst du deine Chance nutzen. Dazu kommt, dass an bestimmten Standorten Bewerbermangel herrscht, vor allem in ländlichen Gebieten.

3. Toller Abschluss ersetzt nicht Praxisstärke!

Ja, vielleicht hast du dich aufgrund deiner Mathenoten, und weil dir Biologie so gar nicht liegt, dazu entschlossen, dass das Gymnasium nicht das Richtige für dich ist. Na und? Sagt das irgendetwas darüber aus, was du in der Praxis kannst? Ob du Sprachen schnell lernst, perfekt im Multitasking bist und bereits zwei Fremdsprachen fließend sprichst? Genauso ist es zum Beispiel für eine Ausbildung zum/zur Designer/in viel wichtiger, dass du zeichnerisches Talent, einen feinen Sinn für Farben und Ästhetik sowie einen geschickten Umgang mit Kunden hast, als dass du die englische Grammatik perfekt beherrscht oder Literatur interpretieren kannst. Und für den/die KFZ-Mechaniker/in bringst du sehr viel, was du brauchst, wenn du schon seit Jahren an alten Autos rumschraubst. Die Devise ist: Zeig, was du kannst, und nicht, was du nicht kannst!

4. Eine tolle Bewerbung gewinnt!

Deine Bewerbung ist die Eintrittskarte für eine Ausbildung, wenn sie gut gemacht ist. Überzeugst du damit, wirst du zum persönlichen Gespräch eingeladen – auch wenn du nicht den vorgeschriebenen Schulabschluss mitbringst. Es lohnt sich also, die Bewerbung individuell zu gestalten und sich richtig Mühe zu geben. Dazu gehört, eben nicht dieselbe Bewerbung an zehn Unternehmen zu schicken, sondern in jeder einzelnen darauf einzugehen, warum du genau bei diesem Unternehmen arbeiten willst, und deine persönlichen Stärken hervorzuheben. Für das perfekte Bewerbungsschreiben geben wir dir Tipps.

Individualität und Motivation können entscheidend sein, genauso wie Sympathie! Darauf solltest du auch im Vorstellungsgespräch besonders achten: Sei offen und freundlich, authentisch und wissenshungrig, begeistert und voller Energie, und der fehlende passende Schulabschluss ist schon fast vergessen.

5. Vitamin B öffnet Türen...

Je älter man wird, desto größer wird das private, aber auch das berufliche Netzwerk. Natürlich kannst du dieses Netzwerk im Alter von 16 oder 20 noch nicht aus dem Ärmel schütteln, aber dennoch kann es sich lohnen, im Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis nachzufragen – vielleicht kennt dein Onkel jemand, der jemand kennt, der für seinen kleinen Betrieb dringend Auszubildende sucht. Und persönliche Empfehlungen zählen einfach in der Regel mehr als ein Bewerber auf einem Blatt Papier.

6. ...genauso wie persönlicher Kontakt!

Networking kannst du auch aktiv vorantreiben – indem du den Kontakt zu Menschen suchst, die dir Tipps für deine Situation geben können oder für deinen beruflichen Weg wichtig sein könnten. Dazu informierst du dich im Internet und recherchierst, beispielsweise in Foren, nach Betrieben, die nicht so streng mit den formalen Kriterien sind. Bei interessanten Betrieben suchst du den persönlichen Kontakt und rufst direkt an, um zu fragen, ob du deine Bewerbung schicken darfst. So zeigst du Eigeninitiative und bleibst dadurch im Gedächtnis, sodass deine Unterlagen positiv aus der Masse herausstechen, weil man sich an dich erinnert.

7. Darf’s auch etwas Ähnliches sein?

Wenn es mit deiner Traumausbildung nicht klappt, ist das erstmal ärgerlich. Aber wenn du erkannt hast, wohin die berufliche Reise gehen soll, kannst du dich auch bei ähnlichen Berufen umschauen.

Magst du Sprachen, ist vielleicht der Tourismusbereich ebenso interessant für dich wie der Beruf des/der Dolmetschers/in.

Interessieren dich Gesundheitsberufe, gibt es nicht nur den Ausbildungsberuf Gesundheits- und Krankenpfleger/in – für welchen ein Realschulabschluss Voraussetzung wäre –, sondern auch die Ausbildung als

alles Ausbildungen, die du mit jedem Abschluss beginnen kannst.

Es lohnt sich also, bei der Wahl einer Ausbildung sich nicht stur auf einen Beruf zu versteifen, sondern nach links und rechts zu schauen!

8. Es gibt viel Luft nach oben!

Back to School? Wenn es gar nicht klappen will mit der passenden Ausbildung und du verstärkt das Feedback bekommst, dass es vor allem am fehlenden Schulabschluss liegt, ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen: Lohnt es sich nicht doch, noch ein oder zwei Jahre die Schulbank zu drücken und damit die Tür zum Traumberuf zu öffnen? Ist dafür Abitur gewünscht, kannst du auch Fachabitur machen und dich damit gleich in einer bestimmten Richtung spezialisieren.

...und was, wenn ich gar keinen Schulabschluss habe – oder es einfach nicht klappen will?

Ohne Schulabschluss ist die Lage etwas schwieriger, aber es ist nicht unmöglich, einen Ausbildungsplatz zu finden. Am besten stehen die Chancen bei Berufen, die einen hohen Hauptschulabschluss-Anteil bei ihren Azubis haben. Wie hoch dieser jeweils bei den einzelnen Berufen ist, kannst du auf den Seiten der Agentur für Arbeit erfahren. Ebenfalls zu empfehlen sind Ausbildungen, die nur ein oder zwei Jahre dauern, wie zum Beispiel Altenpflegehelfer/in, Verkäufer/in oder Servicefahrer/in.

Wenn du keinen Schulabschluss oder du nach vielen Bewerbungen immer noch keine positive Antwort bekommen hast, kannst du auch berufsvorbereitende Maßnahmen in Anspruch nehmen. Bei der Einstiegsqualifizierung vermittelt dir die Agentur für Arbeit ein betriebliches Langzeitpraktikum von sechs bis höchstens zwölf Monaten mit dem Ziel, danach vom Unternehmen übernommen zu werden. So kannst du zeigen, was du in der Praxis drauf hast, damit ein fehlendes Abschlusszeugnis ausgleichen und deinen zukünftigen Ausbildungsbetrieb von dir überzeugen.

Noch früher setzt die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme an. Sie bietet für Jugendliche die Möglichkeit, verschiedene Berufe kennen zu lernen sowie erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Außerdem beinhaltet sie ein Bewerbungstraining und ein Betriebspraktikum, bei dem die Betriebe den Bewerber schon einmal kennenlernen können. Das Ganze dauert zehn Monate und wird ebenfalls durch die Agentur für Arbeit initiiert. Bei einer Assistierten Ausbildung hast du ebenfalls die Möglichkeit, eine vorbereitende Phase zu deiner dualen Ausbildung zu durchlaufen, und wirst während dieser speziell gefördert und individuell unterstützt.

Eine weitere Möglichkeit ist, in dem Betrieb deiner Wahl nachzufragen, ob du ein Schnupperpraktikum machen kannst. Hierbei geht es nur darum, dass du ein paar Tage sozusagen Probe arbeitest, um deinen zukünftigen Chef davon zu überzeugen, dass du sehr gut ins Unternehmen passt und anpacken kannst.

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